Rule of 11,12,13

Im Bridge bezeichnet man mit Rule of 11, Rule of 12 und Rule of 13 drei verwandte Zählregeln für das Gegenspiel. Sie dienen alle demselben Zweck, nämlich aus dem ausgespielten Blatt möglichst schnell die Verteilung der höheren Karten in dieser Farbe abzuleiten. Der Unterschied liegt nicht im Ziel, sondern in der Art des Ausspiels, von dem man ausgeht.

Die Rule of 11 ist die klassische und am weitesten verbreitete Regel. Sie gilt, wenn der Gegenspieler viertbeste Karte aus einer Farbe ausspielt. Man zieht den Kartenwert der ausgespielten Karte von 11 ab. Das Ergebnis gibt an, wie viele Karten höher als diese Karte sich insgesamt bei den drei anderen Spielern befinden. Zieht man davon die im Dummy sichtbaren höheren Karten und die eigenen, weiß man, wie viele höhere Karten der Partner oder der Alleinspieler noch haben müssen. Diese Regel wird im Standard-Gegenspiel am häufigsten verwendet, auch auf BBO.

Die Rule of 12 ist eine Abwandlung für andere Lead-Absprachen. Sie wird angewendet, wenn nach Vereinbarung nicht die viertbeste, sondern die drittbeste Karte ausgespielt wird, etwa aus einer längeren Farbe ohne innere Sequenz. In diesem Fall zieht man den Kartenwert der ausgespielten Karte von 12 ab. Auch hier beschreibt das Ergebnis die Anzahl der höheren Karten bei den übrigen drei Händen zusammen. Inhaltlich funktioniert die Regel identisch zur Rule of 11, nur die Bezugszahl ist eine andere.

Die Rule of 13 ist für Ausspiele der zweithöchsten Karte gedacht, etwa bei bestimmten aggressiven oder modernen Lead-Stilen. Dann zieht man den Kartenwert der ausgespielten Karte von 13 ab. Das Resultat zeigt wiederum, wie viele höhere Karten insgesamt noch im Umlauf sind. Diese Regel wird deutlich seltener genutzt und setzt voraus, dass die Lead-Vereinbarung wirklich eindeutig bekannt ist.

Entscheidend ist immer, dass man genau weiß, welche Ausspielvereinbarung gilt. Ohne diese Kenntnis führen alle drei Regeln leicht zu falschen Schlüssen. In der Praxis reicht für die meisten Spieler die sichere Beherrschung der Rule of 11 völlig aus; Rule of 12 und Rule of 13 sind Ergänzungen für Partnerschaften mit klar definierten, nichtstandardmäßigen Eröffnungsleads.

Die BBO-Robots spielen in diesem Punkt sehr strikt nach festen, relativ einfachen Standardregeln, und genau deshalb ist das Wissen um Rule of 11, 12 und 13 gegen sie besonders nützlich.

Beim Eröffnungsausspiel aus einer Farbe ohne Sequenz spielen die BBO-Robots praktisch immer die viertbeste Karte. Das ist ihr Grundprinzip. Deshalb gilt gegen sie fast immer die Rule of 11. Wenn also ein Roboter zum ersten Stich eine kleine Karte aus einer Farbe ausspielt, kannst du zuverlässig davon ausgehen, dass es die viertbeste ist, und entsprechend sofort mit 11 minus Kartenwert rechnen.

Aus Sequenzen spielen die Robots korrekt von oben. Aus AKQ, KQJ, QJ10 und ähnlichen Kombinationen kommt die höchste Karte der Sequenz. In solchen Fällen ist keine Zählregel wie Rule of 11, 12 oder 13 anwendbar, weil es kein Längen- oder Ordnungslead ist, sondern ein Sequenzlead.

Aus sehr kurzen Farben spielen die Robots in der Regel die höchste Karte. Das betrifft insbesondere Doubletons. Auch hier darf man keine Rule of 11 anwenden, weil die ausgespielte Karte nicht die viertbeste sein kann.

Rule of 12 oder Rule of 13 brauchst du gegen BBO-Robots praktisch nie. Sie verwenden diese Lead-Stile nicht systematisch. Drittbeste oder zweithöchste Ausspiele ohne Sequenz kommen bei ihnen nicht als Standard vor. Wenn also jemand versucht, gegen Robots mit Rule of 12 oder 13 zu rechnen, ist das fast immer ein Denkfehler.

Für die Praxis bedeutet das: Siehst du beim Ausspiel eines BBO-Robots eine kleine Karte ohne sichtbare Sequenz im Dummy, dann ist Rule of 11 dein Standardwerkzeug. Siehst du ein hohes Blatt, erkenne zuerst, ob es ein Sequenzlead oder ein Kurzfarben-Lead ist. Nur wenn klar viertbest gespielt wurde, rechnen, sonst nicht.