1. Grundidee
- Situation: Gegner bieten ein Vollspiel (z. B. 4♥, 4♠, 3SA)
- Frage: Soll man doppeln oder erhöhen, um Gegner zu stören, basierend auf eigener Hand und Partnerunterstützung?
- Rule of 2 / Rule of 3: Hilft, die Mindestunterstützung für defensives Handeln zu prüfen
2. Rule of 2 (Defensive Mini-Sicherheit)
- Formel: Wenn man mindestens 2 Stiche in der Farbe des Gegners kontrolliert, kann man Doppel erwägen, selbst mit mittlerer Hand
- Zweck: Gegner stören, aber nicht über Risiko hinaus gehen
- Typischer Einsatz:
- Gegner bieten 4♥
- Du hast z. B. ♠K Q in ♠ (2 Stiche)
- Rule of 2: Double defensiv möglich, kein Sprung nötig
3. Rule of 3 (Aggressivere Konter)
- Formel: Mindestens 3 kontrollierte Stiche in der Farbe des Gegners, oder starke Trumpfkontrolle
- Zweck: Aggressiver Doppel oder Erhöhung, um das Vollspiel der Gegner zu gefährden
- Typischer Einsatz:
- Gegner bieten 4♠
- Du hast 3 Stiche in ♠ + 1 Ass oder König in Nebenfarbe
- Rule of 3: Aggressive Maßnahme gerechtfertigt → Doppel oder Overcall
4. Merksätze
- Rule of 2: Defensive Reaktion möglich, wenn man 2 Stiche kontrolliert → minimales Risiko
- Rule of 3: Aggressive Reaktion möglich, wenn man 3 Stiche kontrolliert → Gegner stören, Vollspiel gefährden
- Beide Regeln helfen bei Entscheidungen, ob man auf gegnerisches Game reagiert
💡 Praxis-Tipp für BBO:
- Prüfe immer die Stiche in der gegnerischen Farbe
- Rule of 2 → defensiv, vorsichtiges Double
- Rule of 3 → aggressiver, volle Störung möglich
Bridge: Defensives Handeln gegen gegnerische Vollspiele
Rule of 2 und Rule of 3 – Wann doppeln oder stören?
Wenn die Gegner ein Vollspiel (Game) erreichen – typischerweise 4♥, 4♠ oder 3SA – steht man oft vor der Frage: Soll ich eingreifen, um sie zu stören, oder lieber passen?
Ein Eingreifen kann wertvoll sein: Es erschwert den Gegnern die weitere Kommunikation, zeigt dem Partner Verteidigungsstärke und kann zu einer lukrativen Strafe führen. Allerdings birgt es auch Risiken – ein missglücktes Doppel oder eine teure Übergebot kann teuer werden.
Zwei einfache Merksätze helfen bei der Entscheidung: die Rule of 2 (defensiv, sicher) und die Rule of 3 (aggressiver, störend).
1. Rule of 2 – Die defensive Mini-Sicherheit
Grundprinzip: Du erwartest mindestens 2 sichere Stiche in der gegnerischen Trumpffarbe (bei Major-Game) oder in der gegnerischen Farbe (bei 3SA).
Wann anwenden?
- Du hast eine mittelmäßige bis gute Hand (ca. 9–13 Punkte).
- Deine Stiche in Trumpf sind „sicher“ (z. B. Ass, König-Dame, König-Dame-x, Dame-Bube-10 usw.).
- Du willst hauptsächlich stören und dem Partner eine mögliche Strafoption geben, ohne großes Risiko einzugehen.
Typische Aktion: Ein defensives (Straf-)Doppel. Es ist relativ sicher, weil du mit 2 Stichen in Trumpf und normaler Verteilung selten mehr als –1 oder –2 erleidest (bei verwundbar oft noch profitabel).
Beispiel: Gegner bieten 4♥. Deine Hand: ♠ KQJ75 ♥ 84 ♦ K53 ♣ KQ5
- In ♥ (Trumpf): Du hast nur ♥84 → 0 sichere Stiche.
- Aber in einer anderen Situation: Wenn du z. B. ♥KQ hast → 2 sichere Stiche → Rule of 2 erfüllt → defensives Doppel möglich.
Merksatz: „Mit 2 Stichen in Trumpf kannst du ruhig doppeln – du bist mini-sicher.“
2. Rule of 3 – Die aggressive Störaktion
Grundprinzip: Du erwartest mindestens 3 sichere Stiche in der gegnerischen Trumpffarbe oder eine Kombination aus 2 Trumpfstichen + sehr starker Nebenverteidigung (z. B. Ass + König in Nebenfarben).
Wann anwenden?
- Du hast eine starke Hand (ca. 12+ Punkte, oft mehr).
- Deine Verteidigung ist so dominant, dass du das gegnerische Game ernsthaft gefährdest.
- Ziel: Nicht nur stören, sondern aktiv auf Strafe spielen.
Typische Aktionen:
- Strafdoppel (am häufigsten).
- Alternativ ein Übergebot auf 5-Stufe in deiner langen Farbe (Opfergebot/Sacrifice), wenn du gute Unterstützung vom Partner erwartest.
Beispiel 1 (klassisch): Gegner bieten 4♠. Deine Hand: ♠ KQJ ♥ Axx ♦ AKx ♣ xxx
- In ♠: KQJ → 3 sichere Stiche (KQJ fallen nur bei Singleton-Ass beim Declarer nicht). → Rule of 3 klar erfüllt → aggressives Strafdoppel.
Beispiel 2 (Trumpfkontrolle + Nebenstiche): Gegner bieten 4♥. Deine Hand: ♠ Ax ♥ KQx ♦ AKJxx ♣ xx
- In ♥: KQx → ca. 2 Stiche.
- Plus ♦AKJ → weitere Stiche. → Gesamtverteidigung ≥ 3–4 Stiche → Rule of 3 erfüllt → Strafdoppel.
Merksatz: „Mit 3 Stichen in Trumpf kannst du voll angreifen – die Gegner sind in Gefahr.“
Vergleich: Rule of 2 vs. Rule of 3
| Kriterium | Rule of 2 | Rule of 3 |
|---|---|---|
| Erwartete Stiche in Trumpf | Mindestens 2 | Mindestens 3 (oder 2 + starke Nebenverteidigung) |
| Handstärke | Mittel (9–13 Punkte) | Stark (12+ Punkte) |
| Ziel | Stören, Partner informieren | Aktiv strafen, Game gefährden |
| Risiko | Niedrig (meist –1 oder –2) | Höher, aber oft gerechtfertigt |
| Typische Aktion | Defensives Doppel | Aggressives Doppel oder Opfergebot |
Praktische Tipps für BBO und Turniere
- Zuerst die Trumpfstiche zählen – immer! Das ist der wichtigste Indikator.
- Verwundbarkeit beachten:
- Nicht verwundbar: Rule of 2 ist sehr sicher, Rule of 3 fast immer richtig.
- Verwundbar: Sei bei Rule of 2 vorsichtiger, Rule of 3 braucht wirklich klare 3 Stiche.
- Partnervertrauen: Wenn dein Partner schon gepasst hat oder wenig geboten hat, brauchst du mehr eigene Stärke.
- 3SA ist anders: Hier zählst du Stiche in der wahrscheinlich langen Farbe des Declarers oder sichere Asse/Könige. Rule of 2/3 funktioniert analog.
- Alternativen zum Doppel: Bei sehr langer eigener Farbe und Rule of 3-Stärke manchmal direkt auf 5-Stufe springen (Opfer), besonders nicht verwundbar.
Zusätzliches Praxisbeispiel
Situation: Gegner bieten 4♥ (du sitzt Süd). Deine Hand: ♠ A J 10 7 ♥ 9 3 ♦ A K Q 6 ♣ K J 4
- In ♥: Nur ♥93 → 0 sichere Stiche.
- Aber starke Nebenfarben (♦AKQ, ♣KJ, ♠AJ10). → Keine Rule of 2/3 erfüllt → Passen ist meist besser. Ein Doppel wäre spekulativ.
Gegenbeispiel (Rule of 3): Ändere ♥93 zu ♥KQ5 → jetzt 2 sichere Trumpfstiche + massive Nebenstärke → Rule of 3 erfüllt → aggressives Doppel!
